Abfall der Fürstenfamilie – Kapitel 27 – Du (2)

“Kommt rein.”

Cale deutete, dass sie in den Raum eintreten sollen und Cage schob ohne weiteres Taylors Rollstuhl rein. Sobald alle drei sich an den Tisch setzten, warf Cale nicht mal einen Blick auf den Alkohol und fragte.

“Was wollt ihr?”

Cales Stimme war extrem kalt und stoisch wie immer. Alkohol war nur gut, wenn man es komfortabel mit Leuten, denen man vertraute, trank. Mit jemanden zu trinken, nur um eine einfache Konversation führen zu können und die Person zu observieren, klang in Cales Ohren nicht verlockend.

“Was für eine Art von Person denken Sie bin ich, junger Herr Cale?”

Cale observierte Taylor still, nachdem er seine Frage gehört hatte, bevor er dann auf sein Bett zuging und ein kleines Säckchen in seine Hand nahm. Er brachte es mit sich und legte es auf den Tisch.

Klang.

Ein metallisches Klimpern füllte den Raum als das Säckchen leicht geöffnet wurde. Drinnen waren viele Gold, Silber und Bronzemünzen. Cales selbstbewusste Stimme erklang im Raum.

“Ich weiß nicht, warum ihr die Hauptstadt besucht, gerade jetzt wo die Aufmerksamkeit von jedem Adeligen in diesem Land dort liegt, aber ich mir sicher, dass es nur eine Sache gibt, die Leute wie ihr, die sich in die Höhle des Löwens begeben, von mir wollt.”

Cale hatte dies erwartet, vom Moment wo sie ihm gefragt haben, ob sie ihn in die Hauptstadt begleiten konnten, und als er deren Blicke während der Reise auf sich spürte.

“Die wohlhabende Henituse Familie. Ihr wollt Geld, nicht wahr?”

Seufz.

Die Priesterin Cage ließ einen Seufzer aus, der fast so klang wie ein Atemzug voller Bewunderung. Taylor war jemand, der früher immer an der Spitze gespielt hatte, bevor er die Schlucht runter fiel, aber Cage war jemand, die schon immer im Abgrund war. Für jemanden wie sie, war Cale eine einzigartige Person.

Er fragte den stellvertretenden Butler in jedem freien Moment nach Alkohol.
Er interessierte sich nicht, was seine Untergesetzten taten und nahm nur Mahlzeiten von höchster Qualität zu sich.
Er blieb nur in den luxuriösesten Gaststätten und schien immer entspannt zu sein. Er kümmerte sich auch nicht darüber, was er zu anderen sagte.

Jedoch war er keinesfalls Abfall.
Ihr Freund Taylor verstand dies noch besser als sie es tat.

“So Sie wussten also bescheid.”
“Es war ein Klacks.”

Cale antwortete, als wäre es überhaupt nicht schwierig herauszufinden.

“Basierend darauf wie Ihr reist, seht ihr so aus, als würde es euch an Geld fehlen. Um in der Hauptstadt zu bleiben, besonders heimlich, braucht ihr Geld mehr als alles andere. Ich bin mir sicher, dass es nicht euer ursprünglicher Plan war, aber es war offensichtlich von euch das zu erfragen, wenn ihr mit der goldenen Schildkröte reist.”

Taylor konnte Cales Worte nicht bestreiten. Es war die Wahrheit. Cale Henituse war jemand, der nicht versuchte, ihn zu vermeiden. Den ältesten Sohn, der von seiner Familie zur Seite geschoben wurde. Cale zu Fragen und hoffentlich etwas Geld zu bekommen, war das Beste, was passieren konnte.
Auch wenn Cale nein sagen würde, sah es nicht so aus, als würde Cale Venion über Taylors Bitte informieren. Cale schien komplizierte Dinge zu hassen.
In Taylors Augen war Cale jemand, der sich freiwillig vor anderen versteckte. Wenn möglich.

“Vielen Dank, junger Herr Cale.”

Cale sagte nichts wie ‘Gerngeschehen’ oder dergleichen. Stattdessen war er bereit den Plan in bewegung zu setzen, über den er mehrere Male gedacht hatte, seit er anfing mit ihnen zu reisen.

“Werdet ihr morgen in der Früh gehen?”
“Ja. Wir planen heimlich zu gehen, aber kamen hier um Sie zu treffen bevor wir gehen. Wir müssen uns von nun an um unsere eigenen Dinge kümmern.”

Taylors Augen waren klar, während er in seinem Rollstuhl saß. Jedoch konnte Cale keine positiven Gefühle in seinen Augen sehen, als sich ihre Augen trafen.

“Werden sie durch den Tempel eintreten?”

In dem Moment, in dem Taylor einen geschockten Gesichtsausdruck hatte, weil Cale es wusste, trat Cage in die Konversation.

“Ja. Wir planen durch den Tempel einzutreten.”

Sie planten Taylor als ein Mitglied des Tempels zu tarnen und ihn heimlich reinzuschleichen. Jedoch würde das dem Tempel des Todesgottes über den Standort von Cage alarmieren. Cage war willig sich für Taylor in Gefahr zu bringen.
Jedoch würde so ein Eintritt in die Hauptstadt keine Heimlichkeit garantieren.
Cale drückte an diesem Problem.

“Auch wenn ihr durch den Tempel eintretet, Venion oder der Marquis werden darüber innerhalb von drei Tagen erfahren. Sie haben höchstwahrscheinlich Informanten im Tempel des Gottes platziert.”
“… Sie scheinen wirklich gut informiert zu sein.”

Cage begann zu lächeln. Es gab etwas, das sie plötzlich über Cale realisiert hatte.

“Junger Herr, ich bin mir sicher, dass es einen Grund gibt, warum Sie so neugierig über unseren Handlungsweg sind?”

Tap. Tap.

Cales Zeigefinger tippe auf dem Tisch.

“Nehmt dieses Geld und sagt dem Besitzer, dass Sie und ihre Begleitschaft für einen weiteren Tag hier bleiben werden.”

Cale hob seinen Finger und zeigte auf die beiden.

“Und ihr zwei, ihr kommt in meine Kutsche. Der Rest wird einen Tag später in der Hauptstadt ankommen.”

Screech.

Cale schob seinen Stuhl nach hinten und stand auf. Danach ging er rüber und holte einen weiteren Gegenstand aus der magischen Box raus und legte ihn auf den Tisch.

“Dieser magische Gegenstand wird jede Lebensform in einem ausgewählten Bereich für fünf Minuten unsichtbar machen.”

Das war der zweite Gegenstand, der unter Billos Namen gemietet wurde.

‘Junger Herr, planen Sie etwas zu stehlen oder so?”
‘Stehlen? Nein, ich plane etwas kaputt zu machen.’
‘… Kaputt zu machen?’

Er plante diesen Gegenstand während dem Plaza Terror Vorfall zu benutzen, aber er hatte nun einen Grund, es im Voraus zu benutzen. Cale war dankbar, dass es kein Einweg Gegenstand war.
Stille füllte den Raum, als Cale zu Ende sprach. Cage und Taylor sahen zwischen Cale und dem Gegenstand hin und her und öffneten und schlossen ihre Lippen mehrere Male ohne ein Wort rausbringen zu können. Nach einer Weile in Stille konnten sie endlich was fragen.

“Warum-”

Der junge Herr Taylor, der für eine Weile schon still war, begann langsam zu fragen.

“Warum tun Sie das für uns? Sie können daraus keinen Vorteil ziehen.”

‘Warum? Ich muss euch ein bisschen helfen, da ich es verursacht habe. Es ist jetzt nicht so, als würde es mir in irgendeiner Weise schaden.’
Zusätzlich, wenn Taylor es schafft, die Position des Marquis zu übernehmen, dann müsste Cale sich um Marquis Stan oder Venions Gier keine sorgen machen, sobald der Krieg mit anderen Nationen startet. Das würde dem Henituse Territorium helfen, ruhig zu bleiben und Cale ermöglichen, ein friedliches Leben zu leben.

“Muss ich antworten?”
“Ja. Ich möchte Ihre Gründe hören.”

Taylor wollte Cales Antwort hören. Cale antwortete stoisch auf Taylors Frage. Die Antwort war beides, brutal und kalt.

“Es ist, weil Sie so bemitleidenswert sind. Ich will wissen, was jemanden wie Sie, ein Krüpel, der nicht weiß wann er sterben wird, dazu führt, das alles zu tun. Für den ältesten Sohn des Marquis, den Abfall der Fürstenfamilie nach Geld zu fragen ist einfach nur so bemitleidenswert.”

Taylors Mund öffnete und schloss sich, bevor er leise begann zu lachen. Taylor tappte mit seinen Händen auf seine Knie. Er konnte nichts fühlen, als er das tat.
Jedoch Taylors Augen, Nase, Mund, Hände und der Rest von ihm war noch lebendig. Taylor begann strahlend zu lächeln.

“Vielen Dank für Ihren Mitleid. Ich brauchte diese Art von Mitleid.”
“Jedoch gibt es eine Kondition.”

Cale schenkte Taylors Dankesworten keine Aufmerksamkeit.

“Was ist es?”
“Vergesst alles.”

Cale wiederholte sich noch einmal und schob das Säckchen Geld nach vorne zu Taylor. Cage trat vor. Deswegen ist sie mit Taylor mitgekommen.

“Der junger Herr Taylor und ich werden nun einen Schwur zum Gott des Todes machen, dass wir nichts weitersagen. Ich bin mir sicher, dass Ihnen bewusst ist, dass jeder, der den Schwur des Gott des Todes bricht, stirb?”
“Ja, bin ich. Bitte sagt euren Schwur.”

Cale begann bei ihren Worten zu lächeln. Ein Schwur des Gott des Todes. Cale glaubte an diesen berühmten Schwur und deswegen war er willig zu helfen.

Die Priesterin Cage konnte nicht anders als zu lachen, nachdem sie sah wie Cale über ihre Entscheidung einen Schwur des Todesgottes zu machen, lächelte.

“Ich nehme an, dass der junge Herr Cale keinen Schwur machen wird?”
“Korrekt. Falls Dinge sich in der Zukunft verkomplizieren, werde ich alles bekanntmachen.”
“Zu Venion.”
“Ja.”

Cale antworte selbstbewusst auf die Frage. Nachdem er Cales Antwort hörte, fühlte Taylor sich viel friedlicher. Taylor mochte es, dass Cale ehrlich war und sagte, dass er plante alles bekannt zu machen, sobald etwas Cale in Zukunft Unannehmlichkeiten bringt.

“Cage. Lasst uns es tun.”
“Okay.”

Taylor und Cage. Diese zwei sprachen nicht mehr formell vor Cale. Es war deren Zeichen, dass sie fast alles Cale entblößt haben.

“Wir werden letzt starten.”

Heute Nacht war Neumond. In diesen Nächten war der Mond nicht sichtbar und es war der Zeitpunkt, wo die Kräfte des Gott des Todes ihren Höhepunkt hatten. Cage schloss ihre Augen und und drückte ihre Hände vor sich zusammen. Es sah anders aus als wenn normale Leute wenn sie beten. Ihre zwei Handflächen zeigten auf Taylor und sich selbst.

Oooooong.

Eine kleine Vibration füllte den Raum. Zugleich kam schwarzer Rauch aus Cage Fingerspitzen und umhüllte alle drei.

‘Ist das göttliche Kraft?’

Cale fühlte eine seltsame Sensation, während er diese Kraft um ihn herum fühlte. Es unterschied sich definitiv von den antiken Mächten, aber es war immer noch warm, auch wenn sie schwarz war.

“Ich, Cage, die Tochter der ewigen Nacht, wünsche die Namen der Nacht mir zu leihen, um einen Schwur zusammen mit Taylor Stan zu legen. Ein Schwur ist mit unserem Leben erstellt und jeder der ihn bricht, wird in die ewige Dunkelheit niedergelegt.”

Cage öffnete ihre Augen und sah zu Cale und Taylor, bevor sie fortfuhr.

“Ich, Cage, und Taylor Stan, schwören, die Inhalte der heutigen Diskussion geheim zu halten und nur mit dem Zeugen, Cale Henituse, zu teilen. Wir werden es mit niemand anderem teilen.”
“Mit niemand anderem.”
Taylor wiederholte die Abschlussworte. Cage schloss ihre Augen, nachdem sie Taylors Stimme hörte. Der schwarze Rauch umhüllte sie noch einmal und dann-

Oooooooong.

Mit einer weiteren Vibration verschwand der Rauch. Der Schwur war vollendet.

“Ziemlich schlicht.”

Cale konnte eine seltsame Sensation in seiner Hand fühlen, während er seine Gedanken teilte. Es war ähnlich zu antiken Mächten. Er konnte die Dinge im Zusammenhang zum Schwur fühlen.

“Die Sensation, die Sie gerade fühlen, ist die Kraft des Schwurs. Der Moment, wo wir den Schwur brechen, wird Cale über unsere Tode als Zeug informiert werden.”
“Ich verstehe.”

Cale akzeptierte ihre Erklärung schnell. Er hatte keine andere Wahl, da der die Sensation in seiner Hand spürte. Er inspektierte den Unterschied zwischen der göttlichen Macht und der antiken Macht in sich. In diesem Moment stellte Taylor eine Flasche Alkohol, die er mitgebracht hatte und stellte sie auf die Mitte des Tisches.

Tap.

Die Flasche saß nun im Mittelpunkt des Tisches.

“Junger Herr Cale, werden sie einen Schluck haben?”
“Einen Schluck?”

Cale verbarg sein Bedürfnis zu gehen und fragte, was sie meinten. Taylor nickte seinen Kopf als Antwort auf Cales Frage.

“Ja. Alkohol. Alkohol ist an einen guten Tag nötig.”

Taylor wollte mit Cale trinken, jemandem, dem er bis vor kurzem nicht trauen konnte. Cage schien etwas durch seine Handlung herausgelesen zu haben und begann zu lächeln, bevor sie ihre Hand in die weiten Ärmel ihre Priesteruniform steckte.

“Tada!”

Drei Shot Gläser kamen aus ihren Ärmel.

“Ho.”

Cale sah fassungslos auf die Shot Gläser, die Flasche Alkohol und die Priesterin an. Er konnte nicht glauben, dass sie Shot Gläser in ihren Ärmeln mit sich trug.

“Priesterin-nim.”
“Ja?”
“Du bist unglaublich.”

Sie war eine wahre Alkoholikerin. Cale nahm ihr ein Glas ab und Taylor füllte das Glas. Sobald alle drei Gläser voll waren, fragte Cage Cale eine Frage.

“Junger Herr Cale, ist es nicht seltsam, dass eine Priesterin trinkt?”

Cale neigte seinen Kopf auf eine Seite und fragte.

“Hat das etwas mit mir zutun?”

Cale interessierte sich nicht, ob sie trank oder nicht.

“Wow. Ich kann Sie echt gut leiden.”

Cage teilte ihre Bewunderung, während sie mit ihrer anderen Hand auf ihr Knie schlug. Danach fragte sie Cale schüchtern.

“Junger Herr Cale, haben sie irgendein Verlangen eine ältere Schwester mit einer tollen Persönlichkeit kennenzulernen?”
“Nee.”

Cale antwortete ernst und Taylor fügte schnell hinzu.

“… Wir wärs mit einem älteren Bruder mit einer tollen Persönlichkeit?”
“Noch weniger.”

Cage und Taylor begannen beide zu lachen, anstatt von Cales Antwort enttäuscht zu sein. Cale konnte nicht sagen, was so lustig an seiner Antwort war, aber er hob sein Glas und begann und begann zu sprechen.

“Cheers.”

Klang. Die drei Gläser klangen zusammen. Eine Nacht des Neumondes. Es gab keinen Mond im Himmel, aber dieser Alkohol war tiefer als der Mond und schaffte einen Faden, der diese drei Individuen miteinander verband.

Der nächste Morgen.

“Junger Herr, sollen wir losgehen?”

Cale wusste nicht ob Hans langsam war, oder es einfach nur lustig fand. Der stellvertretende Butler hatte die Situation von Cale geschildert bekommen und tat so, als würde er die anderen zwei in der Ecke von Cales Kutsche nicht sehen können und fragte stattdessen laut, ob sie losgehen sollte.

“Ja. Lasst uns gehen.”

Natürlich gab Cale ganz gelassen sein Kommando.

Zwei Stunden. Sie würden am Eingang der Hauptstadt in zwei Stunden ankommen.

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